Im Studio: Es geht um die Musik

Ich bin mir fast sicher, das sich einige meiner Studio-Besucher an meine seltsamen Monologe in Vorbesprechungen von Produktionen zu den Themen Geld, Aufnahmetechnik, Qualität, Zielsetzung erinnern. Es ist oft so, das man sich bevor’s im Studio losgeht trifft, um miteinander zu besprechen, was das Ergebnis optimalerweise sein soll. Der zuerst von mir wahrgenommene Wunsch ist in den allermeisten Fällen, das man jetzt ins Studio gegangen ist, um endlich eine richtig geile Aufnahme zu bekommen. Nicht selten ist zu diesem Zeitpunkt nur wenig darüber bekannt, wie wir das gemeinsam schaffen können. Ich lese selbst ‚online’ relativ viel darüber und schaue stundenlang YouTube-Videos an, um in meinem Gesamtverständnis von Wunsch und Ziel ein zunehmend kompletteres Bild zu bekommen. Es dreht sich sehr vieles um das zur Aufnahme verwendete Equipment, die vielen Wunderheilmittel, die mittels Computer- und Digitaltechnik versprochen und letztlich im Studio selbstverständlich erwartet werden. Auf gewisse Weise ist das alles auch irgendwie ok. Meine ersten Fragen zu Beginn einer Produktionsvorbesprechung gehen auf jeden Fall darum, was der Künstler oder die Band erreichen möchte. Eine Gesamtidee, eine Vision, Soundvorstellungen, besondere Merkmale einer Songidee. Auch hilfreich kann sein, ob vielleicht schon ein Demo vom Song vorproduziert wurde, um zu sehen, ob der Song schon reif und fertig für eine Veröffentlichung ist. Es ist deshalb so wichtig, weil letztere Feststellungen auch im Studio ausschlaggebend für die im Studio erreichbare Qualität sind. Bevor Du Dich oder ihr euch also zu sehr in die Vorstellung von tontechnischer Qualitätsperfektion im Tonstudio verliebt, stellt euch die Frage, um was es euch geht. Bevor ihr euer zum Teil wirklich vieles Geld in teure Aufnahmen steckt, investiert zuerst und solange in eure  Musik, bis ihr das Gefühl habt, sie ist jetzt reif, um euer Werk genannt zu werden. Ich gehe mal soweit, eine Behauptung aufzustellen: Es sollte euch auf jeden Fall hauptsächlich darauf ankommen: Eure Musik. Tontechnik bzw. Tontechniker sind nur ein Werkzeug, um bei der Realisierung zu unterstützen. Sicher kann man hier und da im Studio noch ‚einen draufpacken‘, was vielleicht in der Vorproduktion noch nicht da war oder nicht realisiert werden konnte. Aber eure Musik, eure Komposition und eure Fertigkeiten solltet ihr immer schon mit ins Studio bringen. Es geht um Deine, es geht um eure Musik.

Es ist oft ein sehr heikles Thema und während eines Produktions- und Aufnahmeprozesses schwer zu vermitteln. Es liegt mir am Herzen und ich werde es nicht müde, immer wieder darauf herumzureiten. So faszinierend die ganze Technik im Studio auch ist: Ihr macht die Musik und das hören eure Zuhörer und Fans. Womit ihr das letztlich bewerkstelligt habt und ob z.B. ein Mikrofon von Audio Technica AT2020 für 100 Euro oder ein legendäres U47 für 10.000 Euro zur Aufnahme des Gesangs verwendet wurde, wird daran gar nichts ändern. Es ist toll, wenn man auf solche Mittel zurückgreifen kann, für’s Sahnehäubchen obendrauf. Es sind aber nicht diese Werkzeuge, die dazu führen, das eure Musik ihr Ziel erreichen wird, wenn sie es nicht ohne technische Hilfe schaffen kann.


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